AI – eine Gefahr für Berufsfotografen*innen?

Wird das Berufsfeld der Fotografen durch künstlich erstellte Bilder in Zukunft gefährdet sein? Dies ist eine Frage, die sich aktuell viele Kreativschaffende stellen. 

Sie sind überall

AI-generierte Bilder (AI steht für Artificial Intelligence bzw. künstliche Intelligenz) werden immer mehr in unserem Alltag auftauchen. In der Medienproduktion ist die Verwendung von künstlich erzeugten Bildern oder Videos, die beeindruckend realistisch wirken, bereits seit längerem üblich. Auch wenn es um Bildbearbeitung geht, kommt AI zum Einsatz, zum Beispiel bei der Motiverkennung, Verbesserung von Bildern oder Videos durch Rauschunterdrückung oder beim Hinzufügen von Effekten. 

Fluch und Segen?

Ob AI eine Gefahr für Fotografen darstellt, hängt davon ab, wie AI in der Fotografie eingesetzt wird. AI kann in der Fotografie in vielen Bereichen nützlich sein, zum Beispiel bei der Bildverbesserung, der automatischen Sortierung von Bildern oder der Erkennung von Motiven in Fotos. Sie kann Fotografen und Fotografinnen dabei helfen, ihre Arbeit schneller und effizienter zu erledigen.

Andererseits scheint es unvermeidlich, dass der Konkurrenzdruck steigen und die Nachfrage nach professionellen und von Menschenhand geschaffenen Bildern sinken könnte. Der schnelle und bequeme Prozess der Bilderstellung ermöglicht es sogar Laien, schnell in Eigenregie am Computer oder am Smartphone ein Bild zu generieren. In welchem Ausmass die Nachfrage nach professionellen Fotografen sinken wird, lässt sich nicht vorhersagen, da noch unbekannt ist, wie zufrieden die Masse mit solchen künstlichen Bildern sein wird. 

Lensa und die Avatare

Aktuell macht die App Lensa sowie die darin generierten Avatare die Runde. Natürlich musste ich das ganze selber ausprobieren.

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Aus 15 Selfies und Fotos von mir hat Lensa in 20 Minuten ganze 100 verschiedene Avatare gerendert. Hier sind vier Beispiele.

Aus meiner Sicht sind wir hier noch weit entfernt von authentischen und ehrlichen Business-Portraits. Nichts desto trotz haben diese Bilder mich inspiriert – die Kleidung, das Posing, der Blickwinkel, die eingesetzten Brennweiten und Ausschnitte, die Lichtsetzung sowie die verschiedenen Gesichtsausdrücke sind bemerkenswert.

Ich kann mir gut vorstellen in Zukunft eine AI für die Planung eines Shootings oder die Erstellung eines Konzeptes zu nutzen.

Mehr Challenge als Bedrohung 

Eins ist klar – AI-Programme werden eine zunehmende Herausforderung für Fotografinnen und Fotografen darstellen. Bei der rasanten Geschwindigkeit mit der sich AI bisher entwickelt hat, scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis brauchbare Business-Portraits in 10 Minuten auf einer App selbst erstellt werden können. Wer braucht dann noch Fotograf*innen, wenn jeder seine Bilder mit einer App für wenig Geld oder sogar gratis machen kann? 

Auf diese Frage hat Fotograf Christian Anderl eine spannende Antwort. Er sieht es so, dass Fotografie als rein technische Dienstleistung tatsächlich bald einmal ausgedient haben könnte. Doch dass AI die Fotografie an sich komplett erledigen wird, bezweifelt er stark. Denn der schönste und wichtigste Teil der Fotografie – ECHTE Momente und Gefühle einzufangen – vermag sie nämlich nicht. AI kann diese wohl „nachstellen“ aber sie sind dadurch nicht echt.

Auch Fotograf Calvin Hollywood sieht den Fotografenberuf nicht in Gefahr. Der Umgang mit den Menschen, die Beratung, die Emotionen – das alles kann seiner Meinung nach nicht durch AI ersetzt werden. 

Niemand sitzt am Ende seines Lebens im Schaukelstuhl und schaut sich KI-Bilder seiner Kindheit oder seiner Kinder an.“ 

Christian Anderl, 2022, YouTube, 06:22, Das Ende (oder große Chance) für Fotografen?

Zusammenfassend

Es ist schwer zu sagen, ob AI wie midjourney oder DALL-E 2 eine Gefahr für den Berufsstand der Fotografen und Fotografinnen darstellen. Dies hängt von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel der Qualität der von diesen AI-Systemen produzierten Bilder und wie gut diese Bilder von der Öffentlichkeit angenommen werden. Es ist wichtig, dass Fotografen sich immer weiterbilden und sich auf die Bereiche konzentrieren, in denen AI ihre Arbeit nicht ersetzen kann.

So blicke ich nicht ängstlich sondern neugierig in die Zukunft und bin gespannt, was in der Fotografie mit AI noch alles möglich sein wird. Je weniger Grenzen der Kreativität gesetzt werden, desto mehr Grund zur Freude.